Gallo-römische Monumentalgrabhügel

Da auf dem Höhenrücken zwischen Löstertal und Wadrilltal beim Pflügen der Äcker immer wieder antike Funde zu Tage traten, wurde das Gebiet in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht.

Bei Ausgrabungen in den Jahren 1991 bis 1995 in der Flur „Dachsheck“ gelang Archäologen unter Leitung von Dr. Walter Reinhard vom Landesdenkmalamt des Saarlandes die Freilegung eines Gräberfeldes (= Friedhofs) und insbesondere zweier seltener gallo-römischer Grabhügel, die 2000/2001 rekonstruiert wurden.

Zwischen 1995 und 1997 konnten die Archäologen in der Flur „Auf dem Kopf ober der Dachsheck“ die Überreste eines gallo-römischen Umgangstempels ergraben.

Von 2010 bis 2018 ergänzten Untersuchungen eines Archäologenteams der Universität Mainz um Dr. Sabine Hornung die Forschungen des Landesdenkmalamtes. So wurde im Umfeld der Grabhügel ein Gutshof („villa rustica“) in der benachbarten Flur „Honigsack“ erfasst sowie ein nahe gelegenes Steinbruchareal. Außerdem wurden die Gräberfeldfunde wissenschaftlich untersucht und das ursprüngliche Aussehen des Pfeilergrabmals rekonstruiert.

Die äußerst seltene Kombination der unterschiedlichen Fundstellentypen Siedlung, Gräberfeld, Kultbezirk sowie die nachweisbare Nutzung natürlicher Ressourcen zeichnet ein ungewöhnlich komplexes Bild der hier ansässigen Bevölkerung in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. In dieser Zeit entwickelte sich die sogenannte „gallo-römische Kultur“ durch die Vermischung traditionell-keltischer Elemente mit neuen römischen Einflüssen, die sich in der Siedlungskammer Oberlöstern exemplarisch beobachten lässt.

Die beiden entsprechend der Himmelsrichtungen orientierten gallo-römischen Grabhügel vereinten die keltische Grabhügelsitte des 5./4. Jahrhunderts v. Chr. mit römischen Elementen wie einer Umfassungsmauer aus mächtigen Sandsteinblöcken mit halbwalzenförmigem Abschluss und einer Pinienzapfenbekrönung als Symbol der Unvergänglichkeit. Die rechteckigen Mauern verfügten über eine Seitenlänge von ca. 16 bzw. 18,5 m, so dass die ursprüngliche Hügelaufschüttung mindestens 2,6 bzw. 3,1 m hoch war. Unterhalb der Hügel befand sich jeweils eine 3 x 3 m große steinerne Grabkammer, die bereits in der Antike beraubt worden war.

Die 95 Fundstellen des umliegenden Gräberfeldes zeigen eine Mindestbelegungsdauer von der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. bis in das frühe 3. nachchristliche Jahrhundert. Hier fanden sich neben 18 Brandbestattungen auch zehn kultische „Deponierungen“ (= bewusst vergrabene Objekte) sowie 40 „Aschegruben“, die als Deponierung von Resten des Scheiterhaufens oder von Totenfeiern gedeutet werden können, sowie einige unklare Fundstellen.

Zwischen den Grabhügeln fanden sich auch rund 350 Bruchstücke eines Pfeilergrabmals, das etwa 6 m hoch war und auf einem Sockel mit den Grundmaßen von 2,55 x 2 m ruhte. Darüber schlossen sich ein Inschriftenfeld, die lebensgroße Darstellung eines Paares (vermutlich die Auftraggeber) und schließlich zwei Köpfe mit sogenannten „phrygischen Mützen“ sowie ein von einem Pinienzapfen bekröntes Schuppendach an. Durch die naturwissenschaftliche Untersuchung von Holzresten aus einer zugehörigen Aschengrube, lässt sich die Errichtung des Grabmals sehr präzise auf das Jahr 137 datieren.

freier Eintritt
frei zugänglich / immer geöffnet

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Kultur und Genuss